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Der kleine Paul

Im Untergeschoss des Gemeindezentrums der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Hildesheim befindet sich „Der KLEINE Paul“, Deutschlands erster Kirchenkrämerladen, wie auf dem Hinweisschild zu lesen ist. Allein der Begriff „Krämerladen“ weckt schon positive Assoziationen. Er klingt nach „Tante Emma-Laden, kurzen Wegen, Klönschnack und süßer Tüte oder Eis für die Kinder. Und genau das finden die Menschen des Stadtteils rund um die Paul-Gerhardt-Kirche hier. Der nächste größere Supermarkt oder Bäcker ist weit, gerade für Ältere fußläufig nicht mehr so einfach zu erreichen, sodass viele froh sind, dass sie ihre Zeitung und die frischen Brötchen ab 7.00 Uhr morgens im „KLEINEN Paul“ gleich um die Ecke holen können.


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Als vor 16 Jahren der letzte Garagenkiosk im Stadtteil schloss, war der damalige Pastor der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde so weitsichtig, zu erkennen, dass diese „Versorgungslücke“ vor Ort unbedingt geschlossen werden müsse. Dabei ging und geht es der Kirchengemeinde natürlich nicht um große Umsätze und Gewinnmaximierung, sondern vor allem um das Angebot eines Treffpunktes, der das Nützliche mit dem Angenehmen verbindet. Insbesondere die Möglichkeit, hier morgens ab 7.00 Uhr frische Brötchen zu bekommen, ist sehr gefragt. Auf die älteren Kunden, die häufig im Einpersonenhaushalt leben und nur noch kleine Mengen verbrauchen, hat sich das Sortiment ebenfalls eingestellt. Darüber hinaus beinhaltet das Sortiment möglichst viele regional produzierte und eingekaufte Produkte: Eier, Wurstkonserven oder Honig stammen aus der Region, werden von den Produzenten geliefert. Genau wie die Backwaren. Die stammen von einem handwerklichen Bäcker aus Nette, der sich als einziger noch bereiterklärt, auch kleinere Abnehmer wie den Kirchenkrämerladen zu beliefern.

Zusammen mit einem Team von 20 Ehrenamtlichen hält Regina Wilken, erste Vorsitzende des Vereins „Leben und Reden rund um Paul-Gerhardt“, den Laden zusammen und am Laufen. Sie war von Anfang an dabei, gehört zum Gründungsteam und hat auch seitdem den Vorsitz inne.

Drei Schichten wechseln sich täglich ab, sodass der Laden montags bis samstags von 7.00-11.00 Uhr und dienstags bis freitags zusätzlich von 15.00 - 17.00 Uhr geöffnet hat. Die Kassenabrechnung und den Einkauf der Waren übernimmt Frau Wilken zusammen mit einer weiteren Ehrenamtlichen. Die Buchhaltung am Jahresende wurde an einen Steuerberater abgegeben, als der Laden 2014 von der Gemeinnützigkeit in die Anmeldung als Gewerbe wechseln musste.

Der Laden dient aber nicht nur als Einkaufsmöglichkeit, sondern auch als Ort der Kommunikation, als Treffpunkt und – nicht zu unterschätzen – als Vorpuffer für das Büro der Kirchengemeinde. Wenn das Büro geschlossen hat, werden schon mal die Gemeindebriefe im KLEINEN Paul deponiert. Hier kann man auch Anmeldungen zu Veranstaltungen abgeben, die dann ans Pfarrbüro weitergereicht werden. 

Auch die Corona-Krise hat dem Laden nicht geschadet,  sondern eher mehr Zulauf beschert. Viele waren ja zuhause und schätzten es, dass sie ohne Gedränge und langes Schlange stehen im "KLEINEN Paul" ihre Brötchen oder Brot kaufen konnten.

Für die Zukunft wünscht sich das Team des Kirchenkrämerladens noch mehr Zulauf am Nachmittag. Möglicherweise flankiert von kleinen kulturellen Aktionen oder Bastelangeboten. Ideen gibt es viele, nur unter den derzeitigen Hygiene- und Abstandsregeln ist das nur schwer umsetzbar. Aber den "KLEINEN Paul" wird es sicher noch länger geben als die Pandemie.


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Susanne Bräuer


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