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Talentiert und engagiert: Stefan Niemann

Was hat ein Elefant an der Kirchenwand in Borsum zu suchen? – „Das hat mich nie weiter beschäftigt, aber auch nie ganz losgelassen.“

Stefan Niemann ist seit 2014 Ortsheimatpfleger von Borsum. Nach seinem Kauf eines alten Fachwerkhauses in Borsum im Jahr 2006 habe er sich immer wieder gefragt: „Was ist hier passiert? Was hat dieses Haus zu erzählen?“ Mit diesem Interesse und dieser Neugier trat Niemann an den Heimatverein Borsumer Kaspel heran, bei dem er zunächst Beisitzer im Vorstand wurde. In dieser Funktion als ‚Ideengeber‘ setzte sich der gebürtige Borsumer dafür ein, dass der Verein eine eigene Facebook-Präsenz erhielt: „Wir müssen ins Internet. Anders erreichen wir die jungen Leute heute gar nicht mehr.“ Mittlerweile hat der Verein 507 Gefällt-mir-Angaben. Niemann bestückt die Facebook-Seite mit aktuellen, aber auch mit historischen Bildern aus Borsum und veröffentlicht dazu kurze Informationstexte.

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Im Museum 2



Infolge der Suche nach weiteren Aufnahmen wurde Niemanns Interesse an den Geschichten und Hintergründen von Borsum immer größer. Als Raimund Schrader, Niemanns Vorgänger, das Amt des Ortsheimatpflegers dann abgegeben hat, hat Stefan Niemann kurzerhand seine Nachfolge angetreten bzw. ist da nach eigenen Worten „so reingerutscht“. Ein paar Jahre später hat Niemann dann auch die Gemeindeheimatpflege von Harsum übernommen. Raimund Schrader war in beiden Ämtern über 25 Jahre sehr aktiv und hat große Fußstapfen für Niemann hinterlassen, was dieser aber als durchaus produktiv betrachtet. Denn an den Sammlungen und Verschriftlichungen, die Schrader über Borsum angelegt hat, kann sich Niemann nun bedienen und die vielen Informationen noch einmal anders aufbereiten, zum Beispiel fürs Internet.

Darüber hinaus beschreibt Niemann die Heimatpflege als ein Gebiet mit viel Gestaltungsfreiheit: „Was du machst, ist weitgehend egal. Hauptsache, du machst was.“ Neben der Online-Arbeit für den Heimatverein ist Niemann auch für die Betreuung des Gemeindeheimatmuseums in Borsum zuständig. In dem ehemaligen Schulgebäude werden ehemalige Gebrauchs- und wiederentdeckte Wertgegenstände aus der Gemeinde ausgestellt. Die vielen Räume des Gebäudes sind voll bis unter die Decke mit Gegenständen verschiedenster Art. Doch hinter dem, was mancher schnell als „Rumpelbude“ abtun würde, steckt ein Konzept: „Wir stellen die Räume richtig voll, und man kann zehn Mal wiederkommen und zehn Mal entdeckt man noch was Neues. Es wird nicht langweilig. Auch nicht beim zehnten Mal.“

Dass es nicht langweilig wird, dafür sorgt nicht zuletzt Niemann selbst mit den vielen Geschichten, die er zu den Ausstellungsstücken erzählen kann. Er gibt Führungen durch das Museum und kennt sich auch außerhalb der Museumsmauern ziemlich gut aus. In den letzten Jahren hat er am Tag des offenen Denkmals kleine Dorfrundgänge und Kirchenführungen angeboten. Viele Borsumer „kennen sich vielleicht bestens aus mit der Kathedrale auf Mallorca, wissen aber in den seltensten Fällen, was die alten Steine oder Häuser in Borsum zu erzählen haben.“ Da hat sich Niemann gesagt: „Das müssen wir ändern.“


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Heimatmuseum Außen 1


Auf die Frage, wie er die Heimatpflege in der heutigen Zeit versteht, wo der Heimatbegriff viel diskutiert wird und etwas verstaubt erscheint, erklärt er: „Heimat ist auch ein Gefühl. Heimat ist ganz vielfältig.“ Indem Niemann das Wissen über das, was früher in Borsum war, zugänglich macht und wachhält, hofft er, Interesse an dem Ort zu wecken. „Und wenn man ein Interesse an einem Ort hat, dann wird sowas auch zu einem Zuhause.“

Mit dieser Motivation geht Stefan Niemann den Aufgaben rund um die Heimatpflege mit viel Leidenschaft nach, immer in dem zeitlichen Umfang, den seine eigentliche Tätigkeit als Zusteller bei der Post erlaubt. Wenn er mal etwas mehr Zeit hat, transkribiert Niemann gerne in tagelanger Schreibtischarbeit alte Urkunden oder Dokumente, die noch in altdeutscher Schrift verfasst wurden. Das hat er von seiner Oma gelernt. Auf Anfrage führt Niemann Besucher:innen auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten durch das Museum. „Es muss nur der Satz kommen ‚Das wusst ich ja noch gar nicht‘. Dann hat sich mein Nachmittag schon wieder vollkommen gelohnt.“ So war es auch mit dem Elefanten am Kirchenfenster. Denn mittlerweile weiß Niemann, was es damit auf sich hat …

Kontakt: stefan.niemann@heimatverein-borsum.de

Christina Sandmeyer

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