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Selbstständigkeit im Alter fördern - Senioren-Netzwerk Lamspringe

Bild vergrößern: Der Vorstand des Senioren-Netzwerkes vor seinen neuen Räumlichkeiten. Im März 2020 öffnet der Verein seine Türen.
Der Vorstand des Senioren-Netzwerkes vor seinen neuen Räumlichkeiten. Im März 2020 öffnet der Verein seine Türen.


2017 als Arbeitskreis ins Leben gerufen, entstand 2018 das Senioren-Netzwerk Lamspringe, das sich die Interessenvertretung Älterer zum Ziel gesetzt hat. Ein wesentliches Ergebnis einer unter der „Generation 60 plus“ durchgeführten Umfrage: Vor allem die unzureichende Verkehrsanbindung in der Gemeinde verhindert ein selbstständiges und unabhängiges Leben. Der Verein, der ausschließlich mit Ehrenamtlichen arbeitet, möchte dies ändern, möchte ältere Menschen in der Gemeinde stärken und ihre Lebensbedingungen verbessern.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, gibt es keine Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft. „Bei uns soll jede*r Mitglied werden können. Auch, wenn [man] noch nicht 60 ist. Man sollte nur 60 werden wollen.“ Um auch aus finanziellen Gründen niemanden auszuschließen, hat der siebenköpfige Vorstand den jährlichen Mitgliedsbeitrag von 12€ sehr niedrig angesetzt.

Zentrale Zielsetzung des Senioren-Netzwerkes ist die Mobilisierung Älterer. Um dies zu ermöglichen, wurde der Bürgerbus ins Leben gerufen. Ein vom Verein gekaufter, mit Werbung gesponserter und von Ehrenamtlichen gefahrener VW-Bus pendelt 3x die Woche zwischen den Dörfern der Gemeinde und Lamspringe. So haben Senior*innen, die selbst nicht mobil sind und deren Wohnorte nicht oder nur schlecht über den ÖPNV angebunden sind, die Möglichkeit, ihre Einkäufe selbstständig zu erledigen. Der Der Bus holt sie im Regelfall an der örtlichen Bushaltestelle ab und bringt sie auf dem Rückweg bis an die eigene Haustür. So fallen lange Wege zur Bushaltestelle oder das Tragen schwerer Tüten weg. Rund 90 Minuten haben die Senior*innen Zeit, um in Ruhe ihre Einkäufe zu erledigen. Meist reicht es noch, um zusammen einen Kaffee zu trinken und zu klönen, dann tritt der Bus, der pro Fahrt 6 Menschen mitnehmen kann, die Rückfahrt an. Nicht auf die Kinder oder andere Verwandte angewiesen zu sein, ist für viele Senior*innen eine große Erleichterung und bedeutet Lebensqualität. So ist es selbstverständlich, das kleine Spenden-Schweinchen, das vorne im Bus steht, bei jeder Fahrt zu füttern, auch wenn die Nutzung kostenfrei ist. Immer am letzten Samstag des Monats macht der Bürgerbus außerdem eine Tour nach Alfeld, wo auf dem Wochenmarkt oder in der Fußgängerzone gerne eingekauft wird. Eine weitere Sonderfahrt bietet der Verein mit den „Senioren auf Mittagstour“ an, dort wird jeden dritten Mittwoch im Monat eines der Lokale in der Region zum gemeinsamen Mittagessen angesteuert.

Bild vergrößern: Der Bürgerbus greift das Ergebnis einer Umfrage auf, die ergab, dass Mobilität ein großes Problem für die über 60-Jährigen in der Gemeinde ist.
Der Bürgerbus greift das Ergebnis einer Umfrage auf, die ergab, dass Mobilität ein großes Problem für die über 60-Jährigen in der Gemeinde ist.


Nicht nur der Bürgerbus wird von der Zielgruppe gut angenommen, auch die anderen Angebote des Vereins stoßen auf viel Zuspruch:

Die Klön- und Bastelrunden, deren Inhalt sich nach den Interessen und Bedürfnissen der Teilnehmer*innen richtet, werden gut besucht. Mal gibt es nur Kaffee und Kuchen, mal werden Referierende eingeladen, ein anderes Mal wird den ganzen Nachmittag über Plattdeutsch gesprochen. „Dafür brauchen wir keine Dozierenden. Ganz viele [der Älteren] können das noch.“ Besonders die persönlichen Gespräche und der Austausch, seien eine Bereicherung für die Senior*innen. „Zeit schenken“, nennt es Tatjana Bartels, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Damit auch hier die Anfahrtswege möglichst kurz sind, findet das Programm 2x in verschiedenen Räumlichkeiten in der Gemeinde statt.

In seinen Büroräumen hat der Verein acht Computer aufgestellt, an denen ältere Menschen unter Anleitung eines Ehrenamtlichen die einfachste Handhabung lernen können: Eine E-Mail lesen und schreiben, einen Anhang verschicken oder eine Datei öffnen. Als das Senioren-Netzwerk auch einen Kurs zur Handynutzung anbot, war die Nachfrage riesig. 8-9 Personen können pro Termin teilnehmen, angemeldet haben sich über 40 (auch aus anderen Gemeinden). „Die Enkelkinder haben oft keine Geduld, um ihren Großeltern zu zeigen, wie man mit dem Handy telefoniert, eine WhatsApp-Nachricht verschickt oder wie Fotos und Sprachnachrichten versendet werden können“, erzählt Tatjana Bartels.

Obwohl das Senioren-Netzwerk seinen Fokus auf die Zielgruppe der über 60-Jährigen legt, erkennt es die Chancen einer breit aufgestellten Arbeit. „Die ganz jungen und alten zusammen zu bringen, birgt viel Potential“, sagt Achim Neubert, Vorsitzender des Vereins. Kennzeichnend ist eine Kooperation mit dem Netzwerk Jugend Lamspringe. Diesem werden im Büro Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, im Gegenzug hilft es bei der Erstellung der Homepage und unterstützt zu Zeiten Coronas bei der Einkaufshilfe. Auch die „Notfallkarte“ findet außerhalb der Zielgruppe Zuspruch. Kinder der Grund- und Oberschule, sowie Kindergärten bekamen das A4-Blatt (zusammengefaltet im Scheckkartenformat), das wichtige Daten über Angehörige, Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme, Allergien oder behandelnde Ärzt*innen beinhaltet. Auch alle anderen Interessieren können diese Karte erhalten. Wird sie im Notfall bei sich getragen, kann ein angemessenes und schnelles Handeln ermöglicht werden. Aktuell ist als zusätzliches Angebot die Einrichtung einer altersunabhängigen Selbsthilfegruppe für Angehörige von Demenzerkrankten in Planung.

Bild vergrößern: Achim Neubert (Vorsitzender) und Tatjana Bartels (stellv. Vorsitzende) berichten von den Angeboten und Zielen des Vereins.
Achim Neubert (Vorsitzender) und Tatjana Bartels (stellv. Vorsitzende) berichten von den Angeboten und Zielen des Vereins.


Visionen hat der Verein, der in nicht einmal 3 Jahren einiges auf die Beine gestellt hat, viele: Das 100. Mitglied begrüßen. Sponsoren für den Bus gewinnen, der ab Sommer neu finanziert werden muss. Und vielleicht kommt irgendwann der Umzug in größere Räumlichkeiten, in denen neue Möglichkeiten auf das Senioren-Netzwerk warten.

                                               Leoni Kießling

Weitere Infos finden Sie unter www.netzwerk-lamspringe.de

Postadresse: Senioren-Netzwerk Lamspringe, 31195 Lamspringe, Hauptstraße 21

Bankverbindung: Sparkasse Hildesheim Goslar Peine,                                                                       

IBAN DE 38 2595 0130 0056 1119 85 (BIC: NOLADE21HIK)

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