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Talentiert und Engagiert: Luise Braunroth

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Luise Braunroth _ Foto 1


Luise Braunroth hat ein großes Herz - und einen schön hergerichteten Hof vor ihrem Haus in Söhre, in dem sie sich gerne aufhält, wenn das Wetter passt und es warm genug ist zum Draußensitzen. Außerdem steht ihr Haus in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem ehemaligen Klostergebäude, welches momentan vom Landkreis als Flüchtlingsunterkunft für Familien genutzt wird.

So ist es kein Wunder, dass ihr im Sommer 2015 schnell auffällt, als unbekannte Kinder regelmäßig in Richtung der Söhrer Grundschule an ihrem Haus vorbeikommen. Damit beginnt Luise Braunroths ehrenamtliche Karriere als Sprachlehrerin und Integrationslotsin für die Flüchtlingskinder, die ohne jegliche Sprachkenntnisse in die erste Klasse der Grundschule gesetzt werden und dann versuchen müssen, möglichst schnell den Anschluss zu finden. 

Für die Lehrkräfte, die möglichst allen Kindern und Lernständen gerecht werden müssen, ist dies eine riesige Herausforderung. Für die Flüchtlingskinder ebenso, denn sie müssen nicht nur die deutsche Sprache lernen, sondern sich auch in einem neuen, fremden Kulturkreis zurechtfinden. Da braucht es Menschen wie Luise Braunroth, die gut mit Kindern umgehen und auf ihre Bedürfnisse eingehen kann. Sie hilft bei den Hausaufgaben, übt Diktate und deutsche Grammatik, auch mal Englisch oder Sachkunde und gibt auch Auskunft bei so heiklen Themen wie Sexualkunde, was oft sehr schambehaftet ist. Mit ihr können die Kinder über alles sprechen.

Durch die Kinder hat sie natürlich auch Kontakt zu deren Eltern und steht hier oft unterstützend zur Seite. Sie organisiert Möbel, Fahrräder, Kleidung und was sonst noch so benötigt wird, um in einer fremden Welt anzukommen. Ganz wichtig ist ihr auch, dass die Kinder und Familien die für uns Deutsche so wichtigen Feste wie Weihnachten und Ostern miterleben können. Da kommt dann auch mal der Nikolaus in Gestalt von Luise Braunroths Mann zu den Kindern nachhause. Und natürlich suchen auch syrische und türkische Kinder mit Feuereifer Ostereier und andere Süßigkeiten, die der Osterhase versteckt hat.

Während der langen Zeit der Schulschließungen wegen Corona war und ist Luise Braunroth eine ganz wichtige Stütze für die Kinder. Sie trifft sich regelmäßig mit ihnen zuhause, mit Maske und Abstand zwar, aber die Nachhilfe geht weiter. Und das ist immens wichtig, denn die wöchentlich von der Schule ausgegebenen Aufgabenpakete müssen zuhause eigenständig bearbeitet werden, ohne dass Eltern im Hintergrund wären, die helfen könnten. Passendes Lehrmaterial besorgt sich Frau Braunroth von der Grundschule oder aus Altbeständen von Lehrer*innen aus dem Bekanntenkreis.


Wie lange sie noch weitermachen wird?
„Solange ich gesund bin und noch gebraucht werde. Die Aufgabe macht mir sehr viel Freude und ich kann dabei meinen heimlichen, aber nicht umgesetzten Berufswunsch „Lehrerin“ doch noch ein wenig ausleben. Manche Familien wachsen mir regelrecht ans Herz und der Kontakt reißt auch dann nicht ab, wenn sie die Flüchtlingsunterkunft verlassen und in eine eigene Wohnung umziehen konnten.“


Susanne Bräuer

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